Spät kehrst du heim
Nacht-Wanderer, unverwandelt
Nein, dich sollte niemand suchen
erst recht nicht hoffen
dass du einmal wiedersiehst
die nächtlich leeren Straßen
das heimatliche Steine-Meer
Der Lauf der Zeit
Spät kehrst du heim
Nacht-Wanderer, unverwandelt
Nein, dich sollte niemand suchen
erst recht nicht hoffen
dass du einmal wiedersiehst
die nächtlich leeren Straßen
das heimatliche Steine-Meer
Die Dame auf e3, die mitentscheidend war für den Sieg, wurde mit dem vorletzten Zug geopfert, um danach, entweder mit einem Bauernvormarsch bis zur 8. Reihe eine neue Dame zu erringen, oder Schwarz mattzusetzen. Eine dritte Möglichkeit gab es nicht, jedenfalls nicht für Schwarz.
Vertrau dich den Zwischenräumen an, Schreibender!
Ich kann sagen: Ich bin hier, weil es einmal einen Urknall gegeben hat. Aber welchen Sinn hat diese Aussage, die ja für alles, was da und hier ist, gelten muss, wenn sie logisch sein soll? Und warum sollte sie eigentlich logisch sein? Um etwas zu sagen, bedarf es keiner Logik. Oder ist die Sprache logisch, welche die Tauben die Botschaften bringen lässt?
Die Mehrdeutigkeiten sind – genau genommen – die Regel; das Eindeutige ist die Ausnahme. Oft stört am Gesagten gerade, dass es sich nach Kräften um logische Schlüssigkeit bemüht. Dies gilt so ähnlich für das Geschriebene, was natürlich insgesamt einen sehr geringen Teil des spürbaren Einflusses betrifft.
Doch wer oder was entscheidet, ob etwas spürbar ist oder zu sein hat? „Die Poesie“ würde vielleicht Hölderlin gesagt haben oder hat es womöglich, zumindest so ähnlich sich vorgestellt?
SCHACHmatt
Kein Opfer mehr, das lügen könnte
ein letzter Zug mit müder Hand
die einst berührt Gesicht und Augenbogen
die Zeit steht still im Uhrensand.
Noch glänzen matt die schwarzen Steine
entfernte Nähe – letzter Blick
der oft geschaut Gesicht und Augenbogen
Berührt, geführt – im Schach gibt’s kein zurück
Nebensachen I:
„Unsere Gedanken müssen unendlich viel freier werden, um einander im Weltall begegnen zu können.“ –
(Gedachter Satz beim Anschauen des Films „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz).
Nebensachen II:
Wer oft spielt, gewinnt dabei – in aller Regel – am Ende nichts. Nichts gewonnen, nichts verloren, nichts passiert?
Warum will es mir (nicht nur rein logisch) partout nicht gelingen, mir klar zu machen, dass ich widerspruchsfrei sagen kann: „Ich habe nichts gewonnen, ich habe nichts zu verlieren, ich habe nichts usw.“, ohne damit irgendeine konkrete Vorstellung zu verbinden; also ohne dass sich dadurch irgendein Innen-Bild, eine Vorstellung einstellt?
Wie kann ich also „etwas vom Nichts“ gewonnen oder verloren haben, dessen ich nicht habhaft zu werden vermag? Und trotzdem versteht ein jeder diesen Satz, ganz ohne Zweifel „richtig“, nicht wahr?
An einem Sommer-Sonntag-Nachmittag, mitten im schon halbleeren Stadtteil-Park hat es ein etwa dreijähriges Mädchen, mit vom Laufen wild wehender, blondgelockter Zöpfchen-Frisur, ziemlich eilig. Es mit der ganzen Hand festhaltend, streckt sie mir, fast ein wenig triumphierend, ein buntes Bonbon-Papier entgegen und hastet, ihr Ziel offensichtlich klar vor Augen, an mir vorbei. Wie sogleich zu sehen ist, beabsichtigt sie, ihre überflüssig gewordene Bonbonverpackung vorschriftsmäßig auf direktem Wege zum nächsten Papierkorb zu tragen.
Nach getaner Arbeit wendet sie sich noch kurz zurück zu mir, wie um zu kontrollieren, dass es mindestens noch einen weiteren Zeugen ihres Tuns geben möge; dann trabt sie, noch eine Spur selbstsicherer als zuvor, über die inzwischen matt leuchtende Wiese hinweg, in die Arme ihrer Erziehungsberechtigten, die sie mit sanft jubelnden, ausgebreiteten Armen erwartet.
„Nicht sicher, ob wir einander jemals wieder begegnen,“ dachte ich auf einmal. Und ich kann (mir) nicht richtig erklären, warum sich diese Frage stellt und stellte – vielleicht als Begleittext zur lebenslangen Suche nach dem verborgenen Zusammenhang der Dinge?