In die Nacht hinein

Wer in den Tag hinein lebt, hört und sieht auch in ihn hinein und gelangt, fast zwangsläufig, irgendwann einmal zu einem Punkt, von dem aus er mühelos über den Tag hinausgehen kann.

Objektiv

Nur ich selbst kann von mir sagen, dass es mir objektiv ganz gut geht. Ein Anderer kann auch sagen, dass es mir objektiv ganz gut gehe, aber dies sagt und bedeutet nichts für den Wahrheitsgehalt seiner Aussage.

Einfach

Am besten ist es (fast immer), zu sehen und zu schauen, was da ist und zu lesen, was da steht und zu hören, was ins Ohr vordringt. So einfach diese Erfahrung klingt, so schwer ist sie zu machen und dann auch noch zu beherzigen. Etwas beherzigen – das gefällt mir, das will ich versuchen.

Mir gefällt es jetzt. Jetzt ist es gut.

„Wenn Du etwas über einen anderen Menschen erfährst, dann erfährst Du auch etwas über Dich selbst.“

(Robert Redford in dem Film: „Die Akte Grant“  (Regie: Robert Redford, 2012)

Gib dich zu erkennen, damit ich dich sehen kann; gib dich zu erkennen, damit du dich selbst besser siehst.

Ausgerechnet die Tauben(!) wurden auserwählt, die Botschaften zu überbringen. Aber es schien ja – irgendwann einmal – zu funktionieren. Manchmal wünschte ich das auch heute herbei.

Nacht-Schreien – Berlin im Herbst 1961

Das etwas künstliche, wie absichtsvoll hergestellt wirkende Schreien eines Kindes im Fernsehfilm erinnerte mich urplötzlich daran, wie wir uns – meine „erste große Liebe“ und ich, beide damals gerade mal 15 – unter die Yorck-Brücken der Berliner S-Bahn stellten, um beim Herannahen der Züge, die, so erscheint es mir jetzt, im Minutentakt heranrauschten, gegen die kreischenden Fahrgeräusche anzuschreien; und wie wir, Bahn für Bahn uns steigernd, mit dem quietschenden Rattern und Heulen über unseren Köpfen wetteiferten.
Ich glaube oder bin mir sogar sicher, dass es dafür auch ein bedeutungsvolles Vor-Bild gab, natürlich aus irgendeinem französischen oder italienischen Film? Wussten wir davon oder mussten wir auf alle Fälle tun, was wir taten?
Die Hauptfiguren in Peter Handke Stück: „Das Spiel vom Fragen oder die Reise zum sonoren Land“ sind der Mauerschauer und der Spielverderber. „Schaut doch, wie schön!“ lauten die ersten Worte des Mauerschauers. Mauerschauer wurden wir damals „irgendwie“ auch – und wurden Lesende.

Nebensachen I:

„Im Mittelalter haben die Prinzessinnen auf die Straße gekackt.“ – Tatjana (12) bei Kaffee und Kuchen, anlässlich des 97. Geburtstags ihrer Uroma in W.

Nebensachen II:

Die Zerrissenheit unserer Städte trägt u.a. auch dazu bei, vergessen zu lassen, was das Zusammengehörige der Menschen bedeutet und worin es bestehen könnte.

Zurück

Spät kehrst du heim

Nacht-Wanderer – verwandelt

Dich sollte niemand suchen

erst recht nicht hoffen

dass du einmal wiedersiehst

die nächtlich leeren Straßen

das heimatliche Steine-Meer?

Nacht-Schach

Die Dame auf e3, die mitentscheidend war für den Sieg, wurde mit dem vorletzten Zug geopfert, um danach, entweder mit einem Bauernvormarsch bis zur 8. Reihe eine neue Dame zu erringen, oder Schwarz mattzusetzen. Eine dritte Möglichkeit gab es nicht, jedenfalls nicht für Schwarz.

Vertrau dich den Zwischenräumen an, Schreibender!

Ich kann sagen: Ich bin hier, weil es einmal einen Urknall gegeben hat. Aber welchen Sinn hat diese Aussage, die ja für alles, was da und hier ist, gelten muss, wenn sie logisch sein soll? Und warum sollte sie eigentlich logisch sein? Um etwas zu sagen, bedarf es keiner Logik. Oder ist die Sprache logisch, welche die Tauben die Botschaften bringen lässt?

Die Mehrdeutigkeiten sind – genau genommen – die Regel; das Eindeutige ist die Ausnahme. Oft stört am Gesagten gerade, dass es sich nach Kräften um logische Schlüssigkeit bemüht. Dies ist fast allem Geschriebenen gemeinsam, was natürlich insgesamt einen sehr geringen Teil des spürbaren Einflusses betrifft.
Doch wer oder was entscheidet, ob etwas spürbar ist oder zu sein hat? „Die Poesie“ würde vielleicht Hölderlin gesagt haben oder hat es womöglich, zumindest gedacht?

Nebensachen I:
„Unsere Gedanken müssen unendlich viel freier werden, um einander im Weltall begegnen zu können.“ – (Gedachter Satz beim Anschauen des Films „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz).

Nebensachen II:
Wer oft spielt, gewinnt dabei – in aller Regel – am Ende nichts. Nichts gewonnen, nichts verloren, nichts passiert?
Warum will es mir (nicht nur rein logisch) partout nicht gelingen, mir klar zu machen, dass ich widerspruchsfrei sagen kann: „Ich habe nichts gewonnen, ich habe nichts zu verlieren, ich habe nichts usw.“, ohne damit irgendeine konkrete Vorstellung zu verbinden, also ohne dass sich dadurch jegliches Innen-Bild einstellt? Wie kann ich also „etwas vom Nichts“ gewonnen oder verloren haben, dessen ich nicht habhaft zu werden vermag? Und trotzdem versteht ein jeder diesen Satz, ganz ohne Zweifel „richtig“, nicht wahr?

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