LAUTLOSE WÖRTER-NACHT

Leise Laute, ein Flüstern, Stille?

Laute Laute regieren,

die Menschheit beherrschend,

gewaltig gewaltsam.

Ein künftiger Satz könnte lauten:

Die Wörter- und Satzgedanken lauten, ja läuten sogar

die Hoffnung ein, dass…

Doch wo wären Gründe für die Fortsetzung des Satzes zu finden?

Und so bleibt es allein bei Versammlungen der Wörter

zu Worten und Sätzen.

Dies geschieht lautlos, oft sinnlos.

Ob ein Laut hörbar sein wird, bestimmt das Zusammenspiel von Lautquellen und ihren Strömen.

Die Geschichte der Welt-Laute könnte beginnen mit den Lauten des Unbekannten

Oder:

Es war einmal… war es nicht einmal so, heute kaum und bald nie mehr vorstellbar, dass ein unendlich erscheinender Überfluss an Stille in der Welt zu finden war, ohne sie suchen zu müssen?

Und wenn die Lauten am Ende die Herrschaft behalten werden, was – Laut für Laut – als längst vollzogen gedacht wurde?

Dann sei du selbst dein Trost, wie Hölderlin einmal schrieb, in göttlichen Tag- und Nachtworten.

***

Verwehte Worte verlassen die Sagbarkeits-Räume

Die Sprechenden endlich und gültig zum Schweigen gebracht

Die Schweigsamen sprachlos schon längst

***

Gespenster flüstern, und weil sie die Lüge nicht kennen, ist es oft die stille Wahrheit – gespenstisch wie sie nun einmal sind.

 

 

 

Beziehungs-Weisen

Sie nehmen sich bei den Händen,

um einander näher zu sein

Sie liegen sich in den Armen,

um sich nicht anzuschrein

Sie lieben das Lieben, die Lust, den Verkehr

und trinken den roten Wein.

Sie forschen nach Ursachen, Gründen

in jedem Fall nach der Schuld

in nachtdunklen Zimmern

voll eiskalter Spannung…

Und können und können den Knoten nicht lösen

und trinken weiter vom roten Wein.

Frühe Nächte

Alp-Traum-Erwachen im tagenden Nachtlicht

hinter den Eisblumen, damals

auf barfüßigen Kinderbeinen

im winterkalten Flur der Einzimmer-Wohnung

am Stadtrand

Viele Wochen schneebedeckt

die Kopfstein-Pflaster-Straße

als Eisbahn, für Schlittenfahrten

zwischen den Pferdeäpfeln.

Keine Zeit konnte besser sein,

um das Leben des Lesens und Schreibens zu beginnen,

denke ich jetzt.

24.08.2025

Der Mensch und die Steine

Menschen der Steinzeit

Verewigt in den Steinen der Weltgegenden

Erzählend, wie es möglich war, Vergangenes zu bezeugen:

Stonehenge, Sphinx und Petra

Der Weg der Steine

Die Wege steinig – versteinerte Boten am Wegesrand

Rollende Steine des weisen Sisyphos

Rolling Stones

Menschen unter den Grabsteinen

ewig versuchter Trost der Endlichkeit

Steinwüsten der Vororte

Ton Steine Scherben

Edelsteine

like a rolling stone

 

Vom kleinen Glück

Nie war die Stille abgrundtiefer

als keine Worte mehr zu sagen

wahr gesprochen war

tonlos die Stille, tief das freie Atmen

um die Hoffnung zu bewahren

und in den Träumen andres Leben zu erfinden?

Was immer es auch sei

das kleine Glück

und wie es immer viel zu schnell das Weite sucht

verschollen in den Sehnsuchtsfernen

Zum Glück

Denn dort kann es nicht sterben

 

„Worte muss man immer wieder von neuem sichten“

(Erinnerung an Rahel Varnhagen)

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