In die Nacht hinein

Wer in den Tag hinein lebt, hört und sieht auch in ihn hinein und gelangt, fast zwangsläufig, irgendwann einmal zu einem Punkt, von dem aus er mühelos über den Tag hinausgehen kann.

Objektiv

Nur ich selbst kann von mir sagen, dass es mir objektiv ganz gut geht. Ein Anderer kann auch sagen, dass es mir objektiv ganz gut gehe, aber dies sagt und bedeutet nichts für den Wahrheitsgehalt seiner Aussage.

Einfach

Am besten ist es (fast immer), zu sehen und zu schauen, was da ist und zu lesen, was da steht und zu hören, was ins Ohr vordringt. So einfach diese Erfahrung klingt, so schwer ist sie zu machen und dann auch noch zu beherzigen. Etwas beherzigen – das gefällt mir, das will ich versuchen.

Mir gefällt es jetzt. Jetzt ist es gut.

„Wenn Du etwas über einen anderen Menschen erfährst, dann erfährst Du auch etwas über Dich selbst.“

(Robert Redford in dem Film: „Die Akte Grant“  (Regie: Robert Redford, 2012)

Gib dich zu erkennen, damit ich dich sehen kann; gib dich zu erkennen, damit du dich selbst besser siehst.

Ausgerechnet die Tauben(!) wurden auserwählt, die Botschaften zu überbringen. Aber es schien ja – irgendwann einmal – zu funktionieren. Manchmal wünschte ich das auch heute herbei.

Unerzählte Nächte

Der Erzähler kam rum in der Welt – so wurde erzählt. Allein schon deshalb hatte er etwas zu erzählen: als ein Wanderer zwischen den Wüsten-Städten und Karawanen, einer, dem nur zugehört werden brauchte, um etwas Neues zu erfahren, einer, der zählte.

Die Erzählerinnen fühlten sich, so weit bekannt, mehr für die Märchen und (religiösen) Mysterien zuständig. Sie alle waren sowohl poesierelevant als auch systemkritisch.

Einer dieser wenigen, noch nicht ganz vertriebenen Wanderer lebt seit Jahrzehnten nahe Paris, andere vereinzelt in Wien, Berlin, München… Die Cafés werden Bistros, die Kneipen machen dicht – Ruhestörung!

Der Erzähler zahlt und zählt nichts mehr; es sei denn, er erteilt Ratschläge oder schreibt die Hunderttausendste Familiengeschichte. Die Narrativverwalter  werden Berater, beratende Psychologin oder Talkshow-Gast. Sie erzählen auch nicht, dass ihre Autobiografie ein Verlags-Schreiber verfasst hat. Es zählt, was sich auszahlt.

Vielleicht verrechnet sich dieser oder jene irgendwann einmal hinsichtlich der Nachfrage, aber es wird sich insgesamt gelohnt haben. Bei „Markus Lanz“ freut sich der Gastgeber dann sehr über all die „äußerst lesenswerten“ Bücher seiner Gästeschar. „Schön, dass Sie da sind!“

Es zählen dann all jene, die alles Mögliche „nicht wirklich…“ finden, und die Redebeiträge halten all jene, die mit postmoderner Geste der Stilbewusstheit, auch noch so banale, belanglose und aufgeblasene Gedanken sogleich zur „Erzählung“, oder wahlweise mit intellektueller Anspruchs-Pose, zum „Narrativ“ erheben – also zu etwas, worin jeder sich findet – „irgendwie“ – nicht nur bei „Markus Lanz“ oder „Sandra Maischberger“.

Im „Literarischen Quartett“ wird dann mit noch mehr Nicht-Wirklich-, jedenfalls „spannenden“ -Sätzen, in denen bedeutungsvoll und mit reichlich Pathos das etwas anspruchsvollere Bildungsbürgertum eher schlecht als nötig und eher billig als gut mit „Narrativem“ versorgt, moderiert von einer Dame, die glaubt, ihre literarische Schmalspurigkeit zu verbergen,  wenn sie sich einen neuen, schicken Namen zulegt. Das alles ist natürlich sowieso und unbedingt höchst aufregend,  unglaublich, jedenfalls und geradezu ungeheuer wichtig.

Mit dem wohlfeilen Rest langweilt dann Dieter Nuhr, begleitet von einem weiteren Narrativen, der schlechte Witze erzählt (besser reißt) und  sich thematisch besonders gern mit dem Unterleib beschäftig, meist bekleidet mit schwarzer Pudelmütze ohne Pudel und stets mit einem Grinsen ankündigt, wann gelacht werden sollte…

„Auch die schlechteste Sendung wird eine gute – man muss sie nur oft genug wiederholen.“ (Alfred Biolek)

Keine Zeit also, kein Ort und keine Räume für romanhafte Begebenheiten, keine Zeit für Erzähler.

Ich sehe, ezähle, berichte. Mich rechnet nicht dazu und rechnet nicht mit mir. Ich bin unbezahlbar unzurechnungsfähig, überzählig sozusagen.

„Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit.“

(Albert Camus: „Die Pest“)

NACHTGRÜNDE

Nächtliches Verschwinden des Begründbaren

Wenn etwas für mich richtig klingt, brauche ich sehr oft keinerlei Begründung für diese Art Evidenz, im Gegenteil: Erst die Begründung veranlasst mich, zu zweifeln. Die Begründung ist auch der Grund für diesen Satz.

„Es gibt keinen Grund, warum etwas da ist.“ (Jean-Paul Sartre)

Was ich setze, ist gültig. Das setze ich voraus. Gesetzt: der Grund des Existierenden ist unergründlich. Dann ist das, was existiert, das Da-Seiende. Sinn-Fragen setzen voraus, dass es Antworten darauf geben könnte. Sind es nicht die Antworten, die immer schon da waren, und nur geduldig auf die richtigen Fragen warten?

Verspätete Frage an T.W. Adorno: Was nützt es, wenn die „Karten auf dem Tisch“ liegen und keiner mehr versteht, damit zu spielen? Die Kritik der kritischen Kritik entschwindet in die Eindimensionalität der Talkshows. Der Kritikbegriff selbst verwahrlost in abgeschiedenen Gehöften weiter Ebenen. Das Unvorstellbare ereignet sich an jedem Tag, in jeder Nacht. Auch wenn das Ganze nicht das Wahre sein sollte, das Unvorstellbare ist es in jedem Fall.

„Sieh, das ist der letzte Tag, und sollte er es nicht sein, so ist er dem letzten Tag nahe.“ (Seneca)

Wie schön kann es sein, blutjung oder steinalt zu sein! Und wie widerwärtig es klingt, jemanden als „steinreich“ bezeichnet zu finden!

Nacht und Tag

Menschenworte / Welt-Gedanken (statt Gendersternchen-Alibis)

„Wenn Fichtes Werke Frau Fichte geschrieben hätte, wären sie schlechter?“

(Rahel Varnhagen von Ense)

„☆*: .。. o(≧▽≦)o .。.:*☆“

(Steven Hawking)

„Für etwas, das immer da war, gibt’s keine Zeit.“

(Rahel Varnhagen anno 1821)

Dass die Weisen aller Zeiten – ganz ohne *Sternchen – seit jeher einander zuwinken, gehörte zu den  Welt-Gedanken J.W. v. Goethes oder Rahel Varnhagens – Zeitgenossen, die einander schätzten und erkannten: als Freunde, Gleichgesinnte! wie Goethe sie nannte.

Schwarz-Weiß

Spiegelglatte Schneewiesen im Stadtteil-Park. Menschen in der Nachmittagssonne. Jubelndes Rodelkinder-Geschrei, krachende Plastikschlitten-Ersatz-Gleitgerätschaften.  Des Himmels sonnenlichternde Wolkenwirtschaft wärmt und beschönigt – als sei es ihr Zweck, besonders heute und seit jeher?

An den drei Tischtennisplatten, neben der Kleinkinder-Rodelbahn, fliegen die Bälle wie eh und je, trotz einiger Minusgrade und rutschigem Geläuf. Auch ein  Schneemann mit grüner Mütze auf dem unbespielten Nachbarsportgerät guckt zu. Wintersport, der nirgends vorkommt in den täglichen Nachrichten..

Aber nicht unwahrscheinlich ist es, dass irgendwann dann doch eine Lokalreporterin von der Sache Wind bekommt, sich neben einer Kamera, oder mit einem Smartphone bewaffnet, aufbaut, um wieder mal „spannende“ Fragen zu stellen. Denn der elegante Spieler mit der durchgehend weißen Kleidung und der gelockten Kraushaar-Frisur, heißt Rainer Langhans – guter Spieler, reich an Gedanken und Mitteilungen, Weggefährte mitunter des schreibenden Parkgehers.

Der tägliche Weg, der gegangen sein muss, führt weiter durch die Parkgegenden und, in sanften Serpentinen, hinauf zum Schuttberg, darunter einst Münchner Kriegstrümmer begraben wurden.

Erkennbare und stille Blicke der Vorübergehenden des Tages, Berggesichter in weiter Ferne hinter der Stadt, am südlichen Horizont, heute Nachmittag.

Hinunter zu den, von anfangs vier, fünf kleinen, im Lauf der Zeit auf fast einhundert angewachsenen Stein-Türmchen auf der Mauer neben dem Rückweg, auf halber Höhe, die vom Parkgeher tägliches Nachschauen bzw. Wiederaufbau-Maßnahmen erwarten, auch im Schnee, immer: Auch dies: Bilder der Welt.

In Memoriam Franz Kafka

In der abendlichen Sonne

sitz ich mit gebeugtem Rücken

auf der Treppe bei den Steinen

Aus der Ferne, windbewegt: ein leises Kinderweinen

***

„Nur der Tag ist mir versüßt, an dem ich durch oder für meine Gedanken etwas Neues erfahre.“

(Rahel Varnhagen)

 

Gute Nacht

Schön, dass Sie eingeschaltet haben

Bis zur Halbzeit war es nicht wirklich spannend.

Es ist wirklich unglaublich, nach der Pause war’s definitiv ein völlig anderes Spiel.

Wir freuen uns auf die wunderbare…

Meinem nächsten Gast ist ein unglaublich spannendes Buch über seine Zeit als Bäcker auf Zeit gelungen.

Bitte begrüßen Sie mit mir die unvergleichliche…

Schön, dass Sie da sind. – Sehr gern!

Die Flanken waren meistens nicht wirklich gefährlich.

Ein definitiv unglaubliches, unfassbares  Spiel.

Wie geht es den Menschen dort?

Was hat das mit Ihnen gemacht, diese Erfahrung in dieser unglaublichen Tiefe?

Von einer Verbesserung der Situation kann nicht wirklich gesprochen werden.

Ich muss sagen, das hat mich dann doch ziemlich angefasst.

Besuchen Sie uns auch sehr gern auf unserer Homepage.

Auf ihn habe ich mich heute besonders gefreut. Bitte, begrüßen Sie mit mir…

Und ja: das ist hier alles angenehm unaufgeregt, irgendwie entspannt.

Ich freu‘ mich auf Sie.

Schön, dass Sie dabei sind.

Danke für die Einordnung an dieser Stelle

Wir sind gleich wieder für Sie da.

Ah ja! Das klingt aber sehr spannend.

Was ich Sie eigentlich schon immer mal fragen wollte…

Noch eine letzte Frage, mit der Bitte um eine kurze Antwort.

Danke für Ihre Einschätzungen.

Sehr gern.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung