Geliebte – unerbittliche Ankündigung und heimtückische Vorwegnahme dessen, was, rückblickend, später einmal zutreffend sein wird.
Kategorie: Nachtgedanken
Single
Eines Tages werden wir uns begegnen. Wir werden uns anschauen, wir werden uns tief in den Augen liegen. Es wird so still sein, dass das Geräusch des Schluckens laut sein wird. Wir werden das nicht komisch finden, wir werden nicht belustigt sein. Wir werden so tun, als ob es dieses Mal überhaupt erst wirklich und zum ersten Mal geschieht. Wir werden uns die Lüge nicht eingestehen, dafür von der Zeit sprechen, die jetzt beginnt. Wir werden aneinander hängen.
Wir werden samstags gemeinsam einkaufen gehen. Wir werden als Paar betrachtet werden. Wir werden „wir“ zu uns sagen. Wir werden als Paar viel zuhause sein. Wir werden Freunde einladen, um ihnen unser Glück zu zeigen. Wir werden uns gegenseitig wecken, uns Kosenamen geben, die nur wir nicht peinlich finden. Wir werden einen gemeinsamen Urlaub planen.
Wir werden uns geliebt haben. Wir werden uns nichts mehr zu erzählen, zu sagen oder mitzuteilen haben.
Eigensinn
Dass etwas sinnlos erscheint, bedeutet manchmal nur, dass der Eigensinn verborgen bleibt oder die eigenen Sinne ganz ungeeignet sind, ihn aufzuspüren.
Die Bilder
Vorhang
Wenn ein Märchen zu Ende erzählt ist, wenn auf der Schlusseinstellung eines Films der Abspann zu sehen ist, wenn der Schiedsrichter mit dem letzten Pfiff das Spiel beendet oder sich die Schauspieler auf der Bühne ein allerletztes Mal verbeugen, ehe das Saallicht angeht und sich auf nächtlicher Straße eine Gruppe von Menschen in verschiedenen Richtungen voneinander entfernt … Also, immer dann, wenn etwas vorbei ist und noch nichts in Sicht, was schon wieder Anfang genannt werden könnte, trägt uns das soeben Erlebte eine Zeit lang in den Tag oder in die Nacht und ermöglicht – wie vielleicht nur dann – ein Nachsehen, auch bei uns selbst, als Besinnung und Innehalten, als zeitloses Erinnern an namenlose Heimat. Und der Nachhauseweg erhält mit einem Mal ungewohnte Aufmerksamkeit.