Flüchtige Begegnung (Eine GuteNachtGeschichte)

…etwas verspätet waren dann plötzlich Schritte zu hören, die sich der als Treffpunkt verabredeten Straßen-Kreuzung rasch näherten. Kurz darauf erschien sie also, zunächst noch halb im Dunkeln und nur seitlich beleuchtet, auf die er seit ein paar Minuten, innerlich durchaus lächelnd, äußerlich allerdings ungeduldig und angespannt, gewartet hatte, das vereinbarte Erkennungszeichen, ein flüchtiges Winken mit der Tageszeitung, noch kurz andeutend.
                Auf dem gegenüberliegenden Gehsteig angekommen, verlangsamte sie für einen Augenblick das Tempo, um ein viel zu schnell vorbeifahrendes Auto passieren zu lassen, geriet dabei mit elegantem Anheben der Fersen in eine ballettähnliche Pose, nahm dann aber federnd und auf eigene widersprüchliche Art und Weise, elegant staksend den kürzesten Weg hinüber zum Wartenden.
                Während der eher verlegenen als freundlichen Begrüßung und auch danach, als sie ihr erster gemeinsamer Weg im nun stärker einsetzenden Regen schnell in eine nahe gelegene Nachtbar führte, bemerkten sie jeweils, wie sowohl die eigene Unsicherheit als auch die des Gegenübers einander ergänzten oder sogar verstärkten?
                In der Bar waren, wie immer kurz vor dem Auftritt der stadtbekannten Jazzband, alle Tische dicht und eng umringt. Den beiden späten Gästen blieb nichts anderes übrig, als an der hinteren Theke einen halbwegs dialogfähigen Zweier-Stehplatz zu suchen. Was von weitem wie eine Theke aussah, war jedoch, aus der Nähe betrachtet, keine Theke, um dort Platz zu nehmen, sondern diente lediglich als Bindeglied zwischen der Speise- und Getränkeausgabe und den, sich jeweils mit lautem Rufen Platz verschaffenden, Bedienungen.
                „Vielleicht zunächst etwas Wärmendes?“ fragte er, mit den Händen leicht ihren Ellenbogen streifend, dann aber von einer der Serviererinnen energisch zur Seite geschoben. „Einen Kaffee, oder ist es schon zu spät für so etwas Aufregendes?“ – „Nein, für mich lieber Tee, einen schwarzen Tee mit Zitrone, genau, das wäre jetzt gut.“ – „Sie waren schon mal hier, stimmt’s?“, und noch ehe sie antworten konnte: „Jedenfalls machen Sie den Eindruck.“ – „Möglich wie vieles, aber erinnern kann ich mich daran im Moment gerade nicht, nein, ich bin wirklich nicht sicher.“ –
                „Ich wette, es hört bestimmt bald auf…zu regnen, meine ich“, beeilte er sich, zu ergänzen, als sie mit ziemlich verständnislosem Gesicht, fast schreckhaft den Kopf hob, dann kurz zögerte und mit den Augen fragend: „Ach ja? Mir gefällt zum Beispiel das Gefühl, was sich mitunter einstellen kann, wenn es am Abend zu regnen beginnt. Das, …also so etwas beruhigt mich und gibt mir eine gewisse Sicherheit, sogar Verlässlichkeit.“ – „Und wie ist das dann morgens, wenn so ein Tag verregnet beginnt?“ – „Unterschiedlich; es kommt ganz darauf an, was ich später vorhabe.“ – „Das klingt ja alles ziemlich vernünftig und organisiert, wie Sie so leben. Sie sind wohl so ein richtig vernünftiger Typ?…“, und nach einer kurzen Atempause, aufmunternd lächelnd: „…ach, bestimmt sind Sie das, aber hoffentlich nicht für immer, oder doch?“ –
                Für die Antwort  – aber eigentlich, so dachte sie, konnte es ja keine Antwort sein, die ihr durch den Kopf ging, wenigstens keine Antwort auf eine solche Frage? War es denn überhaupt eine Frage? Glich die Behauptung (oder Festlegung?) nicht viel mehr einer jener Beurteilungen der „Am-Ende-des-Tages“- und „Ich-bin-der-festen-Überzeugung“-Plauderer, wie sie sie ständig, ob gefragt oder nicht, meist unerbeten oder wenigstens unerwünscht, tagein, tagaus in ihrem Büro oder abends auf irgendwelchen dienstlichen Empfängen zu hören bekommt „Du bist… Sie sind…es ist…“.
                Für eine solche, eher einer leisen Verwunderung ähnelnden Antwort benötigte sie all die Zeit, die es dauerte, bis sie die zwei Zuckerstückchen aus dem Papier gewickelt hatte, um diese dann, vom inneren Glasrand aus, in das Teeglas hinein- und hinabgleiten zu lassen. Und, als Zugabe sozusagen,  verlängerte sie dieses schweigende Schauen noch um ein paar Sekunden, in denen ihr schon seit jeher geradezu filmisches Gedächtnis plötzlich, ganz von allein und scheinbar unabhängig von ihrem Willen, ein paar Wochen zurückspulte, während sie gleichzeitig die Bewegungen der beiden sich auflösenden Zuckerstückchen verfolgte, als diese langsam in den, aus dem Teebeutel hervorquellenden dunklen Wasserschwaden verschwammen.
                Im Nu stoppte der Rücklauf an jenem Abend, an dem sie – eher zufällig als gezielt, jedenfalls hatte sie dies zuvor nur sehr selten getan – die Bekanntschafts-Annoncen in der Wochenend-Ausgabe der großen Tageszeitung ihrer Stadt überflog.
                „Mann mit Eigenschaften möchte einer Frau mit ebensolchen begegnen.“ stand da, etwas lapidar, wie sie zunächst empfand, aber dafür immerhin fettgedruckt. Als ehemalige Literaturstudentin war ihr Robert Musils fragmentarischer Roman, eben „Der Mann ohne Eigenschaften“, natürlich bekannt. „Warum nicht mal etwas riskieren?“ dachte sie, sogar etwas angriffslustig. „Beim Spielen im Casino hast du doch auch keine Hemmungen, im Gegenteil.“ Wer mit einer solchen Assoziation für sich zu interessieren versuchte, den wollte sie doch wenigstens einmal treffen.
                Also schrieb sie ihm ein paar Zeilen, er antwortete prompt, sie telefonierten. Sie lernte schnell, wie „so etwas“ geht. Und je näher der Tag des nach ein paar flüchtigen Gesprächen verabredeten ersten Treffens rückte, desto überzeugter war sie von der, wie sie fand, „symbolischen Sinnhaftigkeit ihres kleinen Geheimnisses, das sie sogar ihrer allerbesten Freundin vorenthielt.
                Kurz bevor sie mit dieser Rückblende, deren Dauer sie weder damals noch später in Einheiten von Sekunden oder Minuten sich bewusst machen konnte, fertig wurde, setzten unvermittelt Piano und Schlagzeug der Jazzband ein. Der Geräuschpegel, den die Gespräche an den Tischen bis dahin gebildet hatten, versank gleichzeitig mit und in den zunehmenden Rhythmen der Musiker. In diese, nun musikbegleitete, Stille hinein, klang ihr hauchend geflüsterter Satz noch befremdender als sie es beabsichtigt hatte, und einem zufällig Lauschenden würde es vermutlich nicht gelingen, aus der Betonung auf eine Antwort oder auf eine Frage zu schließen; am ehesten war er noch vergleichbar mit einem ausgesprochenen Gedanken , begleitet von einem etwas unheimlichen Gefühl. Oder war es , sozusagen:“am Ende dieser Nacht“, eine lächelnd vorgelesene Stelle aus einem Roman? „Ich bin vernünftig.“ – Nie wird sie dies wohl jemals zweifelsfrei klären können – wozu auch?
                „Und nichts erschien ihr in diesem Augenblick unwichtiger…,“ setzte sie plötzlich, zwar eigentlich nur für sich aber doch ganz leise vernehmbar, sinngemäß eine Stelle aus Kafkas „Amerika“-Roman umdeutend, gedanklich fort, in dem dies der Hauptfigur Karl Roßmann durch den Kopf ging, als ihm mitgeteilt wurde, dass er nun frei sei. Dabei musste sie ein weiteres Mal, ganz tief innen, lächeln.
                Als gegen Mitternacht die Frau und der Mann mit Eigenschaften die Bar verließen, war es mindestens jene „gefühlten 10 Grad kälter“, wie es schon morgens das „Wetter-Update“, wie solche Banalitäten neuerdings genannt werden, verkündet und der Regen sich längst in einen kräftigen Schneefall verwandelt hatte. Die Luft roch zum ersten Mal in diesem November winterlich. Sie rief nach einem Taxi, offensichtlich laut genug für diese Zeit; denn gleich darauf hielt ein schon leicht rutschender Wagen auf der Gegenfahrbahn. Im Davonfahren misslang ihr, ohnehin nur angedeutetes, Winken durch die von innen beschlagene Heckscheibe gründlich, und urplötzlich musste sie einfach nur noch richtig loslachen. Ein paar Ecken weiter wurde auch die Taxifahrerin, auf unerklärliche Weise, davon angesteckt, die dann allerdings nicht mehr nachfragen konnte, worüber sie beide denn eigentlich gerade so unverschämt und schallend lachten, weil ihr später, auf alle Fälle gutgelaunter Fahrgast nichts mehr erklären, sondern nur noch möglichst schnell ins Warme wollte.

                In ihr Notizbuch, das, jederzeit griffbereit, auf dem Nachttisch lag, und worin sie von Zeit zu Zeit ihre Nachtgedanken einträgt, um sie aufzuheben, schrieb sie, mit schnell gleitendem Bleistift und durch nur noch halbgeöffnete Augenlider blinzelnd mitlesend, beinahe schon in den Morgen hinein:

„Lass einfach zu

beim Anblick unverschämter, blauer Nacht,

wie kinderleicht Kristall

sich auf die schneebedeckten Dächer legen will

 

Lass es…

wenn dich die Leere anfällt

ganz zügellos, im späten Sternenlicht der Stadt,

lass es geschehn.“

 

 

NachtZeichenSetzungen

Längst lassen nur noch Extreme wahrnehmbar aufhorchen, manchmal auch aufschreien; Extreme machen (etwas) klar und klarer, verdeutlichen, worum es – im Grunde – geht. Sie setzen zuallererst Zeichen. Der Extremist ist ein Zeichensetzer. Solches Zeichen-Setzen, auch als falsches, ist Vorbote, oft sogar Bedingung der Versuche, sich der Wahrheit zu nähern. (Die Zeichen-Setzung an und für sich ist also auch hierbei nicht vernachlässigbar.)

Wirklich radikales Denken kann demzufolge nicht anders (und kommt am Ende nicht darum herum), als auf der Fragwürdigkeit jedweder Moral, Religion oder gar „fester Überzeugungen“ zu beharren und die grenzenlose Legitimation jeder Staats- oder Gesellschaftsform sowie staatlichen Rechtssprechung zu bezweifeln. Für alles Weitere hierzu könnte, auch 150 Jahre nach ihrem Erscheinen, aus den Schriften Friedrich Nietzsches seitenweise zitiert werden. Ob er selbst genug an dem zweifelte, was ihm wahr erschien, ist – jedenfalls aus heutiger Sicht – eher unerheblich.

„Neulich dachte ich…wenn ich mal nicht mehr bin; wer denkt das denn alles zu Ende?“

(Piet Klocke – Kabarettist und großartiger Redner)

GRAB-STEIN

Sie sind nicht mehr!

So nennst du Menschen, die gestorben sind.

Doch sag: Sind diese Steine dort nicht da,

ganz so wie die, die hier begraben sind?

NachtTraumKünstler

„Die höchsten Kunstwerke, die wir kennen, zeigen uns:

Lebendige, hochorganisierte Naturen.“

J.W. Goethe: „Über Laokoon“

Mitunter gleicht das nächtliche In-den-Schlaf-Gleiten – die Müdigkeit der halb geschlossenen Lider, mühelos und fast schon vorausträumend fortsetzend – dem Öffnen einer Tür zu einer Treppe, die in Serpetinen hinunterführt in die eigene, kleine Unterwelt, in die hineinzuschauen sich mit der Hoffnung verbindet, der Traum oder die Träume mögen – außer dass sie einen Weg weisen – dort unten auch insgesamt für etwas mehr Licht sorgen. Aber das will und will einfach nicht gelingen – weil wir es nicht ertrügen oder weil wir es nicht entschieden genug wagen?

Ist also die Angst vor der Nacht und den darin immer möglichen, manchmal sogar drohenden Angstträumen die Ursache oder, umgekehrt, erst die Folge letzterer? Ist die Angst vor dem allnächtlich sich öffnenden dunklen Innern vielleicht doch Antrieb und maßgeblich beteiligt an Inhalt und Intensität des vom Traum Bewegten?

Das an den Träumen arbeitende, oder gar in ihnen sich verwirklichende (?) Nacht-Ich, wie es auch beschaffen sein mag oder beschrieben werden kann: Es erschafft, einem Künstler gleich, aus Bruchstücken des bewusst und unbewusst erlebten Geschehens sowie dem vom TraumKünstler Hinzuerfundenen, große und kleine Werke, meist nur für eine Nacht; mit Wesen, die aus verschiedenen Menschen-Figuren zusammengefügt, in Räumen agieren, deren reale Vorbilder „unter der Hand des Künstlers“ sich zu oft gewaltigen Traumtheater-Szenerien verwandeln. Bilder für eine Nacht – Bilder, die immer Originale, Bilder, die also einmalig sind.

Eigentlich schade, dass von diesen Schaffensprozessen und ihren Ergebnissen so wenig bekannt und noch weniger zu sehen ist. Von Interesse ist lediglich und zur Verwendung gelangt allenfalls der jeweilige Material-Wert des Geträumten (oder muss es heißen: Tauschwert?) für psychoananlytische Deutungen, oder gar esoterische und religiöse Phantastereien. Als Kunst kommen diese Werke nicht in Betracht wie so viele andere der schöperisch tätigen Akteure der NaturGeschichte – seit jeher.

In der NebenSache JBM (Ein NachtKommentar + Nachtrag)

Der Autor des derzeit mit großem Erfolg auf den deutschen Bühnen und in den öffentlich-rechtlichen Anstalten gegebenen Schauspiels, mit dem Titel „Jan Böhmer Mann“ (von und mit Jan Böhmermann u.v.a.m.), wollte selbstverständlich keineswegs mit den Äußerungen, die er seiner gleichnamigen Hauptfigur in den Mund legte, den türkischen Staatspräsidenten auch nur im Entferntesten beleidigen. Die Absicht des Stücks und seines Verfassers besteht einzig und allein darin, in eklatanter Weise zum Vorschein zu bringen, auf welch hohen moralischen und geschmacklichen Werten die Politik der Bundesrepublik Deutschland basiert und zugleich zeigen, mit welch verantwortungsvoller (Hand)Haltung diese Werte in politisches Handeln fließen.
                Etwas anderes kann ich mir jedenfalls, auch nach mehrmaligem Besuch einer der Vorstellungen und bei bestem Willen, nicht denken. Und dies ist ihm, finde ich, ganz hervorragend gelungen

                Aufgrund diverser anderer, wichtiger Verpflichtungen leicht verspätet, hat nun endlich auch das deutsche Staatsoberhaupt das Werk begutachten können und, mit aller Bescheidenheit, daran erinnert, dass doch einem demokratisch gewählten Präsidenten „mindestens so viel Ehrerbietung“ zustehe wie einem König. Für die Ermöglichung einer solchermaßen erhellenden Klarstellung ist Herrn Jan Böhmermann sehr zu danken.

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Nachtrag:

                In der zwischenzeitlich im DTF-Verlag (Verlag für deutsch-türkische Freundschaft) erschienenen und binnen weniger Wochen in sämtlichen bundesrepublikanischen Bestsellerlisten auf Platz 1 gehandelten Bühnenfassung des Stücks hat der Autor, Jan Böhmermann, eine so originelle, wie die Publikumswirkung nochmals fördernde, zusätzliche Szene eingefügt, in der die gleichnamige Hauptfigur mit einer per Gerichtsurteil verkündeten „Einstweiligen Verfügung“ konfrontiert wird, die dem Autor, also J.B., nahelegt, einige Text-Passagen des Protagonisten zu streichen. Andernfalls wäre mit einer Geldstrafe von bis zu 250.000 Euro bzw. maximal sechsmonatiger Haft (allerdings nur in deutschen Gefängnissen) zu rechnen.

Wie gesagt, und weil es angesichts der Realitätsnähe des Ganzen in Vergessenheit geraten könnte: Es handelt sich hier selbstverständlich um Fiktion, um nichts anderes. Deshalb soll und darf natürlich nicht verraten werden, wie sich „Jan Böhmer Mann“ entscheidet, oder ob und wie er die drohenden Strafen annimmt – für psychologische Hoch-Spannung ist jedenfalls weiterhin gesorgt.

                Mit dieser Maßnahme hat der Autor in sehr dankenswerter Weise schließlich auch dafür gesorgt, dass sozusagen: „im Namen des Volkes“, der dritten Gewalt unserer stets wehrhaften Demokratie der ihr, wie dem Herrn Bundespräsidenten sowie all den anderen königlichen Hoheiten zustehende Respekt erwiesen wird.

Nächtliche Wahr-Nehmungen

Das Öffnen der von innen verschlossenen Fenster von außen ist selten ohne Gewaltanwendung möglich und sollte nur dann erlaubt sein, wenn Hilfe erwünscht oder Leben zu retten ist.
Die Gedanken ergreifen dich, wann immer du sie aufgreifst und begreifst, dass wir unzertrennlich sind, wir die Gedanken und du, so lange es uns gibt und durchaus so, wie gute Freunde, Gefährten und manchmal sogar Liebende.
Alles, was sich innerhalb der Bedingungen der uns (den Menschen) bekannten Natur- und daraus abgeleiteten Bewegungs-Gesetzen der Geschichte ereignen kann, ist mögliche Weltwirklichkeit. Davon nimmt jeder einen (unterschiedlich) kleinen, ja minimalen Ausschnitt wahr; folglich kann jeder Einzelne, ehrlicherweise, auch nur diese Teil-Wirklichkeiten – mit relativer Sicherheit – für wahr halten.
Die Wahrheit täuscht sehr oft über ihre wahrhaftige Bedingtheit hinweg. Das hat sie mit dem Glauben gemeinsam.

Nebensachen: Im Hauptsatz befindet sich nur dem Namen nach Hauptsächliches; was der Fall ist, also was ausgesagt, berichtet oder erzählt werden soll, enthalten die Nebensätze, manchmal auch die Anmerkungen. (Allergrößtes Augenmerk erfordert überdies, was dann noch so alles in den Klammern geschrieben steht.)    

Was wäre, wenn es anders gekommen wäre…? Wenn es anders gekommen wäre: Hätte ich dann vielleicht keinen Grund oder Anlass gehabt oder erfunden, um die Frage danach zu stellen, was (und wie etwas) wäre, wenn es anders gekommen wäre? Jede Antwort darauf ist durchaus nicht völlig sinnlos, weil sie mit einbeziehen muss, dass sie allenfalls eine Wahrscheinlichkeit zum Maßstab ihrer Richtigkeit machen darf. So wie dieser Satz lediglich eine mögliche Folge davon ist, dass es so gekommen ist.

Und weil doch nun einmal fast alles oder jedenfalls sehr vieles auch anders sein könnte, als es gekommen oder geworden ist: Ist es dann nicht sehr erstaunlich, welch großes Interesse überall besteht, rast- und ruhelos danach zu fragen und zu suchen, warum und wie etwas „ausgerechnet so“ geschehen konnte, dass es gerade so, usw. kommen musste….?

Was ist (oder war), ist viel seltener notwendig, als es scheinen mag. Es lebt sich eben unbeschwerter, im festen Glauben an Notwendigkeiten oder sog. „Folgerichtigkeiten“; sonst würde der „Konjunktiv der Möglichkeiten“ (!) vielleicht zu psychischen Störungen führen, mangels Sicherheit bzw. Verlässlichkeit von „Wahrheiten“.

Nebensachen: Das Suchen und Finden von Worten zur Beschreibung starker, bewegender und intensiver Gefühle oder Stimmungen ist in der Lage, sich selbst in ein so starkes Empfinden zu verwandeln, dass Anlass und Ursache des Vorhabens in Vergessenheit geraten und die Wort-Findung plötzlich eine Art Eigenleben gewinnt, in dem gefunden wird, wonach gar nicht gesucht wurde.

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