Nachtnotiz 1

Die heile Welt, soweit sie nicht das Unheil selbst ist, befördert es, indem sie es verschweigt

Wenn etwas klar wird, etwa als Erkenntnis, verschwindet das Erkannte für einen Moment hinter dem Glanz des Erkennens, der es überstrahlt, und – Gedankensprung – die Angst vor dem Unbekannten wird allein besiegt durch die Sehnsucht danach

Auf welch unterschiedliche Weise man vom Weg abkommen kann, zeigt sehr schön das Wort „VERGEHEN“…

Und ein weiteres Mal: verzweifelte Stille, die laut werden will, die immer noch stillere Schreie verhüllt, gleichzeitig die Angst, dass die Schreie verstummen und die Stille ganz leer, unzerstörbar gefriert. Das TOTENREICH – was für ein gewaltiges Wort für das Nichts!

Wer am alltäglichen Wahnsinn nicht zu Grunde gehen will, dem bleibt nichts übrig, als ihm auf den Grund zu gehen.

Wahrheit?

All die vielen Wahrheiten und all das, was ihnen als Wirklichkeit jeweils zu Grunde liegt bzw. sie für „wirklich wahr“ behaupten – es ist am Ende die eigene Wahrheit, die (er)zählt, und nicht zuletzt so, dass man möglichst damit leben kann.

Nachtbild 1

Und zwischen den Räumen: weit geöffnete Türen, am Abend und in der Nacht. Vereinzelt bedecken Kleider den glänzenden Boden, nur kurze Zeit später vom Mondlicht erfasst. Erst dann verdunkelt sich alles für „wahre“ Gefühle, bis wieder ein Tag die Stille vertreibt, die in den Räumen schlafwandelte. Am Horizont, so fern er auch sein mag: unzerstörbar bewegende Sehnsucht.

Entschluss

Aufzustehen, hinauszugehen und jeden Schritt, oder wenigstens die meisten Schritte als unwiederholbaren und – im Moment – unersetzlichen Teil des eigenen Lebensweges zu beachten – das wäre durchaus ein guter Plan und ein lohnendes Ziel, „das Weite zu suchen“.

Fragen

Was seit jeher fraglich ist, mag fraglich bleiben; was seit jeher fraglos galt, muss fraglich werden.
Welches sind die Bedingungen, die es erlauben, etwas als fraglos gültig anzusehen? Ist der fragende Blick der sprachlichen Formulierung der Frage vorzuziehen oder ihr unterlegen? Was ist eine Frage? Ist dies eine Frage? Wie gelingt es – denkend – ständig so zu tun, als ob es fraglos möglich sei, Sätze, Aussagen, gar Antworten unbefragt aneinanderzureihen, etwa zu einer Erzählung oder gar zu einem Roman? Aber wie oft gelingt es tatsächlich?
Oder leben wir in einer Zeit der Fraglosigkeit, weil wir in einer Zeit der Fragwürdigkeit leben?
Sind ehrliche Fragen nur solche, deren Antwort vor der Fragestellung unbekannt war? Wie war es bei dieser Frage? Fragen wir nur, um mehr wissen oder erkennen zu können? Wie ist das Fragen entstanden? Und Fragezeichen bezeichnen was?
Was ist das? Was willst du? Was bedeutet dein fragender Blick?
Gibt es Fragen ohne die Sprache? Kann es eine Sprache geben, die ohne Fragen auskommt? Gibt es wirklich mehr Antworten als Fragen? Ist diese Frage überhaupt beantwortbar?
Können wir uns so befragen, dass wir uns in den Antworten selbst erkennen? Was könnte das Ziel des Fragens sonst sein, und wenn ein solches nicht zu entdecken ist: warum fragen wir immer wieder danach? Ist alles nur da, um es nach genauerem Hinsehen für sinnlos zu halten? Bewegen sich meine Fragen von mir weg oder zu mir hin? Darf ich so weiterfragen oder muss ich so weiterfragen? Sind meine Fragen verständlich?

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