Tagtraum zwischen den Räumen

Gehen wir, wenn du magst, einen Weg zu suchen...

setzen wir uns ins Licht für den Augenschein.

Stehen wir hungrig auf, um vom Wind zu kosten...

Gehen wir, wie du magst, um uns nah zu sein.

(Für J.) 

Nachtscherben

Nachtscherben – Bilder, die verbluten

vielleicht morgen wieder: hügelaufwärts gehen

weiterblättern bei den Bäumen

Himmel stürmisch – Winternähe

weiterschreiten, bleiern droht das Bleiben

Schrei der Krähe, unerhört

vielleicht morgen wieder: nach dem Rechten sehen?

Nachtwelt

Novembernachtstimmen

 

Schlaflos im Schatten kalter Steine

verirrt, durchwachte Totenreiche

nie so geträumt und atemlos

der Trauer Tränen

längst zu Stein geworden.

Nachtlicht

 

Kein Anfang – nirgends – nur die Zeit
vermutlich ewig
Spiel des Lichts
das abends schräg durchs Fenster fällt.
 
Kein Zauber – nirgends – nur die Nacht
der Wahrheit Freundin
ferner Sonnen Licht
das manchmal schräg durchs Fenster fällt.

 

alt

Herbsthimmel, spät und sonnenlos

alltäglich werden Nächte dunklen Denkens

in alten Räumen unsichtbar: der Ängste Schattenspiel -

kein Wort mehr stört verstummtes Warten.

Nacht-Freundin

Nacht

Schwester des Todes

gepriesen

als Freundin der Wahrheit

zu himmlischen Tönen

einer Gewitternacht

Nachtwege

Unerfindlich, die Wege der Nacht

doch geeignet,das Weite zu suchen

und fragend den Tag zu begleiten:

wie mag es wohl sein

wahr oder falsch - unerheblich

jedenfalls nichts versprechend

ohne Trost oder schamlose Hoffnung

einfach da, einfach anders, nur Leben? 

Schneenacht-Flüstern

Nacht-Schatten wandern spät

durch lebensmüde Großstadt-Straßen

von fern ein Schneenacht-Flüstern

und vielleicht: ein Paar

das tief gebückt spazieren geht

Oktober

Die Fenster gegenüber
nur für kurze Zeit als Spiegel
für das Abendrot
darüber dunkelgrau die Wolken
und schwarz davor:
verdorrte Zweige alter Bäume
windbewegt.

Nachtkind

Hör, wie die Nacht dein Schweigen tröstet
und wie die Stille dich berührt.
Sieh, wie das Kind im Traume lächelt
und dich ganz zu dir hin entführt.
 
Frag, so wie Kinder manchmal fragen:
warum es hell und dunkel ist
wieso wir nachts nur träumen dürfen
wenn es auch anders möglich ist?

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